Der Schwibbogen: Wie ist er entstanden und warum ist er heute als Weihnachtsdekoration so weit verbreitet?

Sobald in Deutschland alljährlich der 1. Advent gefeiert wurde, kann man bei abendlichen Spaziergängen meist in vielen Häusern das sanfte Leuchten verschieden gestalteter Schwibbögen in den
Fenstern sehen. Bei diesen handelt es sich um halbrunde Aufsteller mit motivischen Verzierungen, an deren Oberseite eine unterschiedliche Anzahl an Kerzen oder anderen Lichtquellen angebracht ist.

Im Bild: Metall-Schwibbogen für den Außenbereich mit dem Motiv der Dresdner Altstadt

Metall-Schwibbogen mit dem Motiv der Dresdner Altstadt

Dieses zentrale Element des erzgebirgischen Kunsthandwerks ist mittlerweile sogar so weit verbreitet, dass in so manchem Zuhause in Nordamerika, Asien oder Australien zur Weihnachtszeit ein Lichterbogen für eine heimelige Atmosphäre in so manchem Zuhause sorgt. Doch woher kommt dieser dekorative Brauch eigentlich und warum ist das Kunsthandwerk der Herstellung von Schwibbögen so eng mit der Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Erzgebirges verknüpft?

Wie der Schwibbogen zu seinem Namen kam und zum Weihnachtssymbol wurde

Das Wort Schwibbogen ist eine sprachliche Ableitung des Begriffs „Schwebebogen“, mit dem in der Architektur eine bogenförmige Konstruktion mit freitragender Struktur wie bei Brücken und Gewölben bezeichnet wird. Viele Menschen bezeichnen Schwibbögen aber auch regional unterschiedlich als Schwippbögen oder Lichterbögen, da sie zwingend immer mit einer elektrischen Beleuchtung oder den Lichtertüllen für die traditionelleren Wachskerzen ausgestattet sind.

Für die Entstehung und Symbolik der halbrunden Form gibt es beim Schwibbogen unterschiedliche Theorien. Fakt ist aber, dass dieses traditionelle Brauchtum bei den Bewohnern des Erzgebirges immer schon mit der Bergbautradition und ihren Emblemen verknüpft war. Zunächst waren Schwibbögen für Innen und Außen stets aus Metall geschmiedet, der älteste Schwibbogen dieser Art wurde in Johanngeorgenstadt auf das Jahr 1740 datiert. Im Erzgebirge finden sich aber auch in vielen anderen Orten sogenannte Groß-Schwibbögen an zentralen Plätzen, die schon auf das 18. Jahrhundert zurückgehen. Die ersten Schwibbögen wurden vermutlich von Bergschmieden wie denen der Familie Teller gefertigt, die ansonsten für die Herstellung der in den Bergbauschächten benötigten Werkzeuge verantwortlich zeichneten.

Metallschwibbögen für den Außenbereich gibt es auch heutzutage noch bei spezialisierten Onlineshops wie Schwibbogen-XXL zu erwerben – übrigens neben traditionellen auch mit modernen Motiven wie zum Beispiel Fußball.

Das Licht des Schwibbogens als Symbol für Sicherheit, Freiheit und Frieden

Alte Chroniken berichten, dass die Bergleute im Erzgebirge bei der letzten Schicht vor Heiligabend ihre Grubenlampen, so an den Eingang zu den Minenschächten hingen, dass dieses sogenannte „Mundloch“ halbkreisförmig beleuchtet war. Das Licht sollte den Bergknappen wieder sicher den Weg aus den Abbaustollen weisen, so wie die großformatigen Schwibbögen aus Metall später die Bergleute im frühen Dunkel der Winterabende wieder sicher zu ihren Heimatorten und ihren jeweiligen Häusern geleiten sollten.

Eine andere Theorie besagt aber auch, dass die typische Bogenform ein Symbol für den Himmelsbogen sein soll. Dafür sprechen die im 18. und 19. Jahrhundert verbreiteten Darstellungen von Sonne, Mond und Sternen als Verzierung der damaligen Schwibbögen.

Von der Kulturgeschichte einer Region zum Weihnachtssymbol mit weltweiter Verbreitung

Waren in früheren Jahrhunderten christliche Symbole wie die Szene der Vertreibung von Adam und Eva fest mit der motivischen Gestaltung der Schwibbögen verknüpft, so hat sich dies über die Jahrhunderte etwas gewandelt. So konnte der Schwibbogen außer einem Symbol für den Frieden und die Liebe des Weihnachtsfests auch zu einem Aushängeschild der Kultur- und Wirtschaftsregion des Erzgebirges werden.

Dazu hat nicht zuletzt auch der von Paula Jordan entworfene Schwibbogen beigetragen, der emblematisch zum Aushängeschild für die 1937/1938 stattgefundene „Feierobnd-Ausstellung“ wurde, die der Schwarzenberger Fabrikant Friedrich Emil Krauß angestoßen hatte. Noch heute zieren viele erzgebirgische Schwibbögen scherenschnittartige Motive aus der Bergmannstradition der Region oder der bekannte Ausruf „Glück auf“. Diese Ausrichtung des Schwibbogen-Brauchtums geht nicht zuletzt auch auf Paula Jordans bekannten Schwibbogen-Entwurf zurück.

Erzgebirgische werden allerdings seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich aus Holz gefertigt. Früher wurden zu Weihnachten manchmal Schwibbögen selbst aus Bausätzen mit der Laubsäge ausgeschnitten und mit der ganzen Familie zusammengesetzt. Heute greifen die meisten Menschen dagegen gerne auf die vielfältigen Modelle zurück, in denen auch die Schnitzkunst aus dem Erzgebirge zum Ausdruck kommt. Die dargestellten Motive sind dabei so vielfältig wie die unterschiedlichen Geschmäcker der Menschen: Von der traditionellen Bergknappenszenerie über Wald- und Tierdarstellungen bis hin zu regional erkennbaren Darstellungen von weihnachtlich verzierten Kirchen wie der Frauenkirche in Dresden oder der Seiffener Kirche sind der weihnachtlichen Fantasie keine Grenzen gesetzt.